29. Juli 2025 - JLU und UMR erfolgreich in der 18. Förderstaffel des hessischen Exzellenzprogramm
JLU beteiligt an einem LOEWE-Zentrum und drei LOEWE-Schwerpunkten – Weitere Erfolge in der Förderlinie LOEWE-Exploration / Mut zum Experiment – Vier Marburger Forschungsprojekte erhalten LOEWE-Förderung.
Herausforderungen und Dialogpotenziale im Zusammenleben von Judentum, Christentum und Islam, die Rolle von Lipiden bei Erkrankungen, die Anpassung an Dürre durch Bewässerung mit gereinigtem Abwasser sowie der Zusammenhang von Antifeminismus, Demokratie und autoritären Tendenzen: Diese Themen stehen im Mittelpunkt von vier Forschungsvorhaben, die in der 18. Förderstaffel der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) den Zuschlag erhalten haben und an denen die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) beteiligt ist. Dabei handelt es sich um das LOEWE-Zentrum DynaRel – Dynamiken des Religiösen und die drei LOEWE-Schwerpunkte Lipid Space, ADAPT – Anpassung an Dürre sowie GenDem – Verflechtung von Antifeminismen. Außerdem fördert das Land Hessen an der JLU zwei Projekte in der 6. Ausschreibungsrunde der Förderlinie LOEWE-Exploration für unkonventionelle innovative Forschungsvorhaben.
„Ich freue mich sehr über den erneuten Erfolg der JLU im LOEWE-Programm“, so JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz. „Die Themenvielfalt der geförderten Projekte, darunter auch sozial- und geisteswissenschaftliche Vorhaben, zeigt einmal mehr sehr deutlich die wichtige Rolle der Universitäten für die Gesellschaft und ihre Zukunft. Den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gratuliere ich herzlich und danke ihnen für ihr Engagement sowie dem Land Hessen für diese Förderung.“
Mit der Förderlinie LOEWE-Exploration unterstützt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) risikobehaftete, innovative Forschungsvorhaben, die an der Schwelle zum Unkonventionellen stehen. Forschende erhalten die Möglichkeit, mit einer Förderung zwischen 200.000 und 300.000 Euro über zwei Jahre mutige Hypothesen und radikal neue wissenschaftliche Ansätze zu verfolgen –in einem wissenschaftspolitischen Umfeld, in dem genau diese Freiheit zunehmend unter Druck gerät. Das Land Hessen schließt mit dieser Förderlinie eine Lücke im deutschen Wissenschaftssystem und setzt ein Zeichen für vertrauensvolle, neugiergetriebene Forschung. Vier Projekte aus der Philipps-Universität Marburg konnten sich nun erfolgreich in dem kompetitiven Auswahlverfahren durchsetzen – von neuartigen Nanomaterialien über die molekulare Energiekonversion bis hin zu viralen Infektionsmechanismen und neurodegenerativen Erkrankungen.
Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss gratuliert den Forschenden herzlich: „Forschung braucht Freiheit, um wirklich Neues zu schaffen – und sie braucht auch Räume, in denen Scheitern als notwendiger Teil des wissenschaftlichen Prozesses verstanden wird. LOEWE-Exploration ist deshalb ein wichtiges Instrument, um besonders kreative Ideen zum Fliegen zu bringen. Ich freue mich sehr, dass gleich vier Teams aus Marburg mit ihren Projekten überzeugen konnten.
Energiewandel im molekularen Maßstab kontrollieren
In einem interdisziplinären Projekt arbeiten Prof. Dr. Gregor Witte und Prof. Dr. Marcel Reutzel (beide Fachbereich Physik) an der atomaren Kontrolle von Energieumwandlungsprozessen in organisch-anorganischen Hybridsystemen. Ihre Idee: Monolagen von zweidimensionalen Halbleitern auf organischen Einkristallen in definierter Orientierung zu stapeln, um so gezielt Einfluss auf die Energielandschaft und den Ladungstransfer zu nehmen. Mittels zeitaufgelöster Impulsmikroskopie sollen so neue Einblicke in optoelektronische Prozesse gewonnen werden – mit dem Ziel, völlig neue Bauelemente zu ermöglichen.
Fördersumme: 298.000 Euro
Campus-Schwerpunkt "Material, Molekül und Energie"
Prof. Dr. Gregor Witte ist beteiligter Forscher im Campus-Schwerpunkt "Material, Molekül und Energie". Die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien und Materialien ist das zentrale Ziel der gemeinsamen Forschungsaktivitäten der Forschenden im Campus-Schwerpunkt „ Material, Molekül und Energie“.
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TMPRSS2: Schlüsselprotein zwischen Virusabwehr und Nebenwirkung?
Prof. Dr. Eva Friebertshäuser (Fachbereich Medizin) widmet sich einem besonders relevanten Zielprotein der antiviralen Forschung: der Wirtsprotease TMPRSS2. Während bekannt ist, dass dieses Protein entscheidend an der Aktivierung von Grippe- und Coronaviren beteiligt ist, bleibt seine physiologische Funktion bislang weitgehend unklar. Das Projekt will genau dies aufklären – durch umfassende molekularbiologische Analysen in Zell- und Tiermodellen. Das Ziel: fundierte Grundlagen für die Entwicklung sicherer Breitbandmedikamente gegen respiratorische Viruserkrankungen schaffen. Fördersumme: 278.000 Euro
Campus-Schwerpunkt "Mikroorganismen und Viren"
Prof. Dr. Eva Friebertshäuser ist beteiligte Forscherin im Campus-Schwerpunkt "Mikroorganismen und Viren". Das Erkennen übergreifender Strategien von Mikroben und Viren sowie deren Interaktion untereinander und mit dem Wirt ist das zentrale Ziel der gemeinsamen Forschungsaktivitäten der Forschenden im Campus-Schwerpunkt „Mikroorganismen und Viren“.
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LOEWE-Zentrum DynaRel – Dynamiken des Religiösen: Ambivalente Nachbarschaften zwischen Judentum, Christentum und Islam in historischen und gegenwärtigen Konstellationen
Federführung: Goethe-Universität, Frankfurt
Partner: Philipps-Universität Marburg, Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Dr. Nicole Immig, Prof. Dr. Naime Cakir-Mattner)
LOEWE-Förderung: rund 19 Millionen Euro
Die Herausforderungen im Zusammenleben von Judentum, Christentum und Islam in der pluralen Gesellschaft stehen im Mittelpunkt dieses Forschungsprojekts. Das Forschungsteam
untersucht aus interdisziplinärer Perspektive die Beziehungen zwischen Judentum, Christentum und Islam, die eng miteinander verflochten sind. Für die Analyse der Interaktionen zwischen diesen Religionen nutzen die Forschenden das Konzept der „ambivalenten Nachbarschaft“, das Nähe, Begegnung und Vertrautheit ebenso impliziert wie Phänomene der Distanz, Abgrenzung und Gegnerschaft. Der Schwerpunkt des LOEWEZentrums DynaRel liegt auf aktuellen Entwicklungen und sozialen Transformationen, zum Beispiel im Zuge von Flucht und Migration oder der zunehmenden Bedeutung digitalisierter Räume; das Projekt geht jedoch auch in die historische Tiefe. DynaRel ist in Hessen bzw. im Rhein-Main-Gebiet angesiedelt, umfasst aber auch deutsche
oder europäische Einwanderungskontexte, den Nahen Osten sowie Nordafrika. Das Ziel ist es, ein erweitertes Verständnis der Beziehungen zwischen den drei Religionen zu entwickeln, Konflikt- und Dialogpotenziale zu ergründen und einen Beitrag zur Bewältigung aktueller religionsbezogener gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten. Das Projekt soll Ressourcen aufzeigen, die in Bildung, Politik und öffentlichen Debatten genutzt werden können, um einen konstruktiven Umgang mit religiöser Vielfalt zu fördern. Prof. Dr. Nicole Immig (Professur für Südosteuropäische Geschichte an der JLU) konzentriert sich auf die griechische Migrationsgeschichte in Deutschland. Diese südosteuropäische Perspektive erweitert den Blick auf gesellschaftliche Spannungsfelder, indem sie
Migrationsgeschichte, orthodoxe Religionsgeschichte und Gegenwartsanalyse miteinander verknüpft. In einem anderen Teilprojekt mit dem Titel „Transformativer Dialog zu Antisemitismus und Islamfeindlichkeit im Schatten des Nahostkonflikts“ untersucht Prof. Dr. Naime Cakir-Mattner (Professur für Islamische Theologie mit dem Schwerpunkt muslimische Lebensgestaltung an der JLU) gesellschaftliche Herausforderungen in einer ethnographisch angelegten Studie, die über klassische Formen des interreligiösen Dialogs hinausgeht.
Campus-Schwerpunkt Sicherheit – Konflikt - Ordnung
Prof. Dr. Nicole Immig ist beteiligte Forscherin im Campus-Schwerpunkt "Sicherheit – Konflikt - Ordnung". Das Verständnis von aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und die Analyse der Probleme einer globalisierten Welt, sind die zentralen Ziele der gemeinsamen Forschungsaktivitäten der Forschenden im Campus-Schwerpunkt „Sicherheit - Konflikt - Ordnung“.
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LOEWE-Schwerpunkt Lipid Space – Zeitlich und räumlich aufgelöste Regulation der Gewebehomöostase durch Lipide in der Mikro- und Nanoumgebung
Federführung: Goethe-Universität Frankfurt am Main
Partner: Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Dr. Rajkumar Savai), Frankfurt Institute for Advanced Studies, MPI für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim
LOEWE-Förderung: rund 4,3 Millionen Euro
Viele Erkrankungen sind auf Störungen im Lipidstoffwechsel zurückzuführen. Fette (Lipide) bilden als nur schwer wasserlösliche Biomoleküle geordnete Strukturen aus. An Lipidmembranen laufen viele molekulare Reaktionen ab; einige Lipide dienen als Signalmoleküle für essenzielle zelluläre Prozesse. Lipide sind pharmakologisch hoch relevante Moleküle, daher greifen einige der wichtigsten Arzneistoffgruppen Eiweiße an, die Lipide auf- oder umbauen. Die strukturelle und funktionelle Vielfalt sowie die Verteilung der Lipide sind allerdings bisher kaum verstanden. Das liegt unter anderem daran, dass Lipide aufgrund ihrer schlechten Wasserlöslichkeit nur schwer zu untersuchen sind. Die Forschenden vermuten jedoch, dass in der Vielfalt der Lipide und ihrer Verteilung im menschlichen Organismus weitere wichtige Zielstrukturen zur Behandlung wesentlicher Erkrankungen des Menschen verborgen sind. Um diese Zielstrukturen zu identifizieren, sollen im LOEWE-Schwerpunkt Lipid Space bisher schwer erreichbare und daher unerforschte Lipidräume in Zellen und Geweben – die Lipid Spaces – durch den Aufbau und die Anwendung neuer Schlüsseltechnologien erkundet werden. Neben der Erforschung kardiovaskulärer, onkologischer und neurologischer Erkrankungen soll Lipid Space auch einen technologischen Mehrwert schaffen.
Profilbereich "Tumorforschung und Immunologie"
Prof. Dr. Rajkumar Savai ist beteiligter Forscher im Profilbereich "Tumorforschung und Immunologie". Die Entwicklung neuer Strategien für die Krebsdiagnostik und -therapie sowie die Verbesserung gängiger Behandlungsmethoden, wie die Chemo- und Strahlentherapie sind die zentralen Ziele der gemeinsamen Forschungsaktivitäten im Campus-Profilbereich „Tumorforschung und Immunologie“.
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LOEWE-Schwerpunkt ADAPT – Anpassung an Dürre: Der Oberflächen-Boden-Grundwasser-Puffer unter Klimastress
Federführung: Universität Kassel
Partner: Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Dr. Gerd Hamscher, Prof. Dr. Sylvia Schnell)
LOEWE-Förderung: rund 4,1 Millionen Euro
Kann die Bewässerung mit gereinigtem Abwasser der Wasserknappheit während Dürreperioden entgegenwirken? Diese Frage steht im Mittelpunkt des LOEWE-Schwerpunkts ADAPT. Durch die klimawandelbedingten Wetterextreme fällt der Hauptteil des Niederschlags als Starkregen in sehr kurzen Zeiträumen. Damit werden die Grundwasserspiegel nicht wieder aufgefüllt, sondern ein großer Teil des Niederschlags geht über die Oberflächengewässer verloren. Lange Trockenperioden in den Sommermonaten setzen die Landwirtschaft in Mitteleuropa und Deutschland zunehmend unter Druck. Im Projekt ADAPT untersuchen die Forschenden, wie sich gereinigtes Abwasser als Ressource nutzen lässt, um den durch den Klimawandel verursachten Dürreperioden
entgegenzuwirken. An der JLU werden rückstandanalytische und mikrobiologische Untersuchungen in unterschiedlichen Umweltkompartimenten im Mittelpunkt stehen. Der Boden und die Sedimente im Grundwasser tragen auf natürliche Weise zur Reinigung und Entfernung von Schadstoffen bei, wenn Wasser in den Boden sickert. Diese Fähigkeit kann jedoch durch erhöhte Schadstoffkonzentrationen im Abwasser beeinträchtigt werden und birgt dadurch potenzielle Risiken. In ADAPT kombinieren die Forschenden Experimente zur Weiterentwicklung in der Wasseraufbereitung mit Computermodellierungen, um die Vorteile und Risiken der Nutzung von behandeltem Abwasser als Bewässerungsquelle in Dürreperioden zu untersuchen.
Profilbereich „Klima- und Klimafolgen"
Die Erforschung der vielfältigen Aspekte des Nutzungs-, Klima- und Biodiversitätswandels als Folge und Teil des globalen Wandels sind die zentralen Ziele des Campus-Profilbereich „Klima- und Klimafolgen“.
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Link zum Thema
wissenschaft.hessen.de/forschen/landesprogramm-loewe
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