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Psychologische Studie zur Wahrnehmung von Kunstwerken der FCMH-Forscherin Prof. Katja Dörschner-Boyaci, Ph.D. erschienen
Publikation i-Perception erschienen – „K. Malevich sein: Ein praktischer Ansatz zur Kompositionspräferenz“

Illustration der Kompositionsaufgaben: Zuerst arrangierten die Teilnehmenden entsprechend der Aufgabenstellung eine stabil oder dynamisch erscheinende Komposition (links), die sie dann auf einen PC übertrugen (Mitte). Im zweiten Teil des Experiments beurteilten sie ihre eigenen Kompositionen und die Kunstwerke der Suprematisten nach dem Grad der von ihnen wahrgenommenen Dynamik, Ausgewogenheit (Balance), Stabilität und Präferenz. Bildnachweis: Dr. Doris Braun & Prof. Katja Dörschner-Boyaci, Ph.D.
Wie entsteht in der Kunst der Eindruck von Ruhe, Balance oder Dynamik? Warum empfindet eine Person ein Bild als ästhetisch ansprechend und harmonisch, und eine andere Person dasselbe Bild als unausgewogen? Diesen Fragen ging ein Team von Psychologinnen und Biologinnen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) in einer Studie nach: Statt Kunstwerke nur zu betrachten und zu bewerten, wurden die Teilnehmenden eingeladen, selbst aktiv Kompositionen zu gestalten. Die Ergebnisse sind jetzt unter dem Titel „Being K. Malevich: A hands-on approach to compositional preference“ „K. Malewitsch sein: Ein praktischer Ansatz zur Kompositionspräferenz“ in der renommierten Fachzeitschrift i-Perception erschienen.
Wie das Urteil der Betrachterinnen und Betrachter über ein Kunstwerk ausfällt, hängt stark von der wahrgenommenen „visuellen Balance“ und individuellen Vorlieben ab. Dr. Doris Braun, Mara Hofmann und Prof. Dr. Katja Dörschner untersuchten dazu den Zusammenhang zwischen wahrgenommener Stabilität, Dynamik, Ausgewogenheit und ästhetischer Bewertung von Kunstwerken.
Im Rahmen ihrer Studie wurde zunächst für jedes von zehn ausgewählten abstrakten Werken der suprematistischen Kunstbewegung eine Papierversion aus ausgeschnittenen Bildelementen erstellt. Diese Werke eignen sich besonders gut für interaktive Gestaltungsaufgaben, da sie aus geometrischen, teils farbigen Formen wie Dreiecke, Rechtecke, Kreise etc. bestehen. Der bekannteste Vertreter der Suprematisten war der Künstler Kasimir Malewitsch (engl. Malevich) – geboren 1879 in Kyiv/ Ukraine, gestorben 1935 in St. Petersburg /Russland –, ein Vertreter der russischen Avantgarde, der zu den wichtigsten Pionieren der abstrakten Kunst zählt.

Digitale Bilder der verwendeten suprematistischen Kunstwerke des Künstlers Kasimir Malewitsch (M1-M7) und der Künstlerin Ljubow Sergejewna Popowa (P1-P2). Bildnachweis: Dr. Doris Braun & Prof. Katja Dörschner-Boyaci, Ph.D.
„Zu verstehen, warum wir visuelle Kunst schätzen und warum Menschen unterschiedliche Arten von Kunst mögen, ist nicht nur für die Wahrnehmungsforschung bedeutsam, sondern betrifft auch Fragen, die sich interessierte Laien immer wieder stellen“, sagt Psychologin Dörschner: „Anlass genug, uns diesem Thema mit einem ungewöhnlichen kreativen Ansatz aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven zu nähern.“
Die Studie unterstreicht die Stärke der Gießener Wahrnehmungsforschung an der Schnittstelle von Psychologie, Kunst und Kognitionswissenschaft. Sie zeigt zugleich, wie wissenschaftliche Experimente gestaltet werden können, damit kreative Prozesse nicht abstrahiert betrachtet, sondern gezielt in die Versuchsanordnung einbezogen werden können.

Dynamische und stabile Kompositionen, die drei Studienteilnehmende mit Formelementen aus vier Kunstwerken von Malevich und Popowa entworfen haben. Bildnachweis: Dr. Doris Braun & Prof. Katja Dörschner-Boyaci, Ph.D.
Publikation: Braun, D. I., Hofmann, M., & Doerschner, K. (2026). Being K. Malevich: A hands-on approach to compositional preference. i-Perception, 17(1), 1–31. https://doi.org/10.1177/20416695261421103
Weitere Informationen: https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb06/psychologie/abt/allgemeine-psychologie
Kontakt
Justus-Liebig-Universität Gießen
Prof. Katja Dörschner-Boyaci, Ph.D.
Allgemeine Psychologie & Visuelle Neurowissenschaften
E-Mail:katja.doerschner@psychol.uni-giessen.de
Forschungsschwerpunkt "Adaptive Kognition und Verhalten"
Im Fokus des Schwerpunkts „Adaptive Kognition und Verhalten“ steht die Erforschung der grundlegenden Mechanismen von Wahrnehmung und flexibler Verhaltensanpassung in einer komplexen, sich ständig verändernden Umwelt. Mithilfe interdisziplinärer Methoden aus Psychologie, Neurowissenschaften und künstlicher Intelligenz untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die zugrunde liegenden neuronalen und rechnerischen Prozesse sowie deren Störungen bei psychischen Erkrankungen.