SKYMI – Aus Neugier wird echte Forschung

Acht Wetterballons starten zum Jubiläum „80 Jahre Hessen“ im Projekt "SKYMI"

Vizepräsident der THM, Prof. Dr.-Ing. Jochen Frey, begrüßt die Gäste zur Preisverleihung im SkyMi-Projekt an der THM. Schulen hatten sich mit Experimentvorschlägen um Wetterballonsets beworben. Bildnachweis: FCMH.

Forschung am Rande des Weltraums: Schülerinnen und Schüler aus Mittelhessen erhalten Wetterballons und können damit in bis zu 35 Kilometern Höhe experimentieren. Das Projekt „SkyMi“ wird von der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg, der Technischen Hochschule Mittelhessen und dem Forschungscampus Mittelhessen als Verbund der drei mittelhessischen Hochschulen, sowie dem Schülerinnen-und Schüler-Forschungszentrum Mittelhessen organisiert.

Sie wollen die Veränderungen der Schwerkraft mit einer Präzisionswaage messen, den Einfluss von Industrie und Landwirtschaft auf die Atmosphäre erforschen oder Überlebensbedingungen für Pflanzen und Mikroorganismen unter Mars-ähnlichen Bedingungen untersuchen: Insgesamt sechs Schulen aus Mittelhessen haben eine Fachjury im Wettbewerb „SkyMi – Mittelhessen hebt ab!“ überzeugt. Als Siegprämie erhielten sie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ihre Wetterballonsets und können von Februar bis Mai ihre geplanten Experimente am Rande der Stratosphäre vorbereiten. „SkyMi“ ist ein gemeinsames Projekt des Schülerinnen-und Schüler-Forschungszentrums (SFM), der drei mittelhessischen Hochschulen und des Forschungscampus Mittelhessen (FCMH).

Der gemeinsame Start der Ballons ist nach einem Projekttag an der JLU für Juni 2026 geplant, die Ergebnisse werden im Anschluss an der Philipps-Universität Marburg in einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert.

 „Wir müssen hier als THM, aber auch im Verbund der drei Hochschulen, Räume öffnen“, begrüßte Prof. Dr.-Ing. Jochen Frey die rund 80 Gäste. Der THM-Vizepräsident für Forschung und Transfer betonte die enge Zusammenarbeit der THM mit Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg. „SkyMi ist ein Projekt, bei dem Neugier mit echtem Forscherdrang und ingenieursmäßigem Denken kombiniert wird. Die Schülerinnen und Schüler schauen nicht nur zu, sondern experimentieren selbst und produzieren messbare Ergebnisse“, sagte Frey.


Praxis statt grauer Theorie

Dr. Manuel Lösel, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen, hob in seinem Grußwort die Bedeutung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) für die Zukunftsfähigkeit des Landes hervor. Er erinnerte sich an seine eigene Schulzeit, in der Experimente oft nur vom Lehrer vorgeführt wurden. „Das Projekt SkyMi ist genau das, was wir brauchen: ein praxisorientierter Ansatz“, sagte Lösel und appellierte an die Schülerinnen und Schüler: „Erzählt davon, begeistert andere.“ Die Wichtigkeit außerschulischer Lernorte zur Förderung von individuellen Talenten wie am SFM betonte Gunnar Merle, Schulleiter der Elisabethschule in Marburg und Vorsitzender des SFM: „Wir wollen eine Art Sportzentrum für die schaffen, die naturwissenschaftlich interessiert und begabt sind.“ Im Mittelpunkt stehe das Öffnen von Räumen für interessierte Schülerinnen und Schüler im MINT-Bereich an Schulen und darüber hinaus.


Die Gewinner: von der Schwerkraft bis zum Mars-Experiment

Aus 16 Bewerbungen wählte die Jury sechs Schulen aus, die nun ein komplettes Equipment für einen Stratosphärenflug erhalten:

  • Die Adolf-Reichwein-Schule Neu-Anspach will mit einer selbstkonstruierten Präzisionswaage die Veränderung der Schwerkraft während des Aufstiegs messen.
  • Die Westerwaldschule Driedorf plant einen Perspektivwechsel und untersucht, welche Spuren der Mensch auf der Erde hinterlässt, kombiniert mit Klimamessungen.
  • Die Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf erforscht den Einfluss von Industrie und Landwirtschaft auf die Atmosphäre sowie Feinstaubwerte in der direkten Umgebung.
  • Die Johann-Textor-Schule Haiger will den Wetterballon für erste Experimente mit Schülerinnen und Schülern aus sechsten und siebten Klassen nutzen, die dann in langfristige Projekte münden sollen.
  • Die Gesamtschule Gießen-Ost nutzt ihren Physik-Leistungskurs, um die Effizienz von Solarzellen in Abhängigkeit von Höhe und UV-Strahlung zu analysieren.
  • Die Goldbachschule Dillenburg-Fronhausen wagt den Blick ins All und untersucht Überlebensbedingungen für Pflanzen und Mikroorganismen unter Mars-ähnlichen Bedingungen in der Stratosphäre.


Dr. Alexander Kremper vom SFM, Initiator des Projekts, zeigte sich begeistert von der Qualität der eingereichten Experimentvorschläge und betonte gleichzeitig: „SkyMi bedeutet für mich vor allem zwei Dinge: Verantwortung zu übernehmen und Innovation zu ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler nutzen den Raum vom Waldboden bis in 35 Kilometer Höhe als ihr Forschungslabor.“


Jury aus Wissenschaft und Praxis

Die Auswahl der Preisträger traf eine Fachjury, die die enge Vernetzung der mittelhessischen Bildungslandschaft widerspiegelt:

  • Prof. Dr. Gert Bange (Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Philipps-Universität Marburg)
  • Prof. Dr. Kai-Thomas Brinkmann (Justus-Liebig-Universität Gießen)
  • Prof. Dr.- Ing. Jochen Frey (Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Technischen Hochschule Mittelhessen)
  • Prof. Dr. Wencke Gwozdz (Vizepräsidentin für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der Justus-Liebig-Universität Gießen)
  • Dr. Judith Klatt (Philipps-Universität Marburg)
  • Laura Lücke (Stadt Wetzlar und Science Center gGmbH - Explorikus)
  • Melanie Meuser (Regionalmanagement Mittelhessen GmbH, MINTmit-Cluster)
  • Dr. Christof Wegscheid-Gerlach (Chemikum Marburg, MINT-Cluster EMIL-ia)


Das Gremium prüfte die Anträge nicht nur auf wissenschaftliche Relevanz, sondern legte besonderen Wert auf die Kreativität der Forschungsfragen, die Einbindung der Schülerinnen und Schüler in den gesamten Projektverlauf und das Entwicklungspotenzial der teilnehmenden Schulen im MINT-Bereich.


Überraschung: „Hessen hebt ab“

Zum Abschluss der Veranstaltung, durch die Dr. Janina Rojek (FCMH) und Manuel Heinrich (THM) führten, verkündete Anke Hundt vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen die Erweiterung des SkyMi-Projekts. Anlässlich des runden Jahrestages „80 Jahre Hessen“ in diesem Jahr finanziert die Staatskanzlei zwei weitere Wetterballons und kooperiert hierzu gemeinsam mit dem Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen mit interessierten Schülerinnen und Schülern aus Mittelhessen. Unter dem Motto „Hessen hebt ab“ werden weitere mittelhessische Schulen zur Bewerbung eingeladen und anschließend 30 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen in Wiesbaden zusammenkommen, um zukunftsorientierte Forschungsfragen zu entwickeln und diese zusätzlichen Sonden zu konstruieren. „In diesem Jahr finden vielfältige Veranstaltungen zu ,80 Jahre Hessen‘ statt, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft beleuchten. Auch im Bereich der Zukunftskompetenzen, Kollaboration, kritisches Denken, Kreativität und Kommunikation bietet dieses Projekt enorm viel“, erklärte Hundt. Damit werden insgesamt acht Wetterballons im gleichen Monat über Mittelhessen aufsteigen – einer für jedes Jahrzehnt.


Keine Verlierer

Auch die Schulen, die keinen Forschungspreis ergatterten, gingen nicht leer aus. Sie erhielten MINT-Förderpreise in Form von Exkursionen zu außerschulischen Lernorten, darunter das Chemikum Marburg, das Liebig-Museum Gießen, der Leitz-Park Wetzlar und das Future Space Kassel. Zudem erhalten alle teilnehmenden Schulen Zugang zur digitalen „Future Skills Akademie“ des Makerspace Gießen sowie Lehrmaterialien zum Thema Stratosphärenflug.


SFM – Raum für junge Forscherinnen und Forscher

Das im Herbst 2023 gegründete Schülerinnen-und-Schüler-Forschungszentrum Mittelhessen bietet Jugendlichen einen einzigartigen Zugang zur Welt der Naturwissenschaften. Neben thematischen Workshops, Satellitenlaboren an Partnerschulen und Ferienangeboten steht das forschende Lernen im Mittelpunkt: Schülerinnen und Schüler können eigene Ideen verwirklichen, in echten Laboren arbeiten. Durch die Kooperation mit den Hochschulen und Institutionen der Region können Schülerinnen und Schüler über das SFM Kontakte zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Unternehmen der Region knüpfen.

Forschungscampus Mittelhessen

Der Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) ist eine hochschulübergreifende Einrichtung nach §53 des Hessischen Hochschulgesetzes der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Hochschule Mittelhessen zur Stärkung der regionalen Verbundbildung in der Forschung, Nachwuchsförderung und Forschungsinfrastruktur. Der FCMH fördert Netzwerke, gemeinsame Forschungsprojekte, unterstützt den Transfer des Wissens in die Gesellschaft und schafft durch den Aufbau zukunftsweisender Kooperationsstrukturen Synergien zwischen den Hochschulen. Das Ziel ist, gemeinsam noch erfolgreicher in der internationalen Spitzenforschung und der exzellenten Nachwuchsförderung zu sein.