JLU an BMFTR-Projekt zur digitalen Unterstützung in der häuslichen Pflege beteiligt

Projekt DECURA setzt auf personalisierte Hilfe und datenschutzfreundliche Lösungen für den Pflegealltag

DECURA-Projektteam am Rheinufer in Köln. Bildnachweis: DIP.

Menschen in der häuslichen Pflege entlasten und gleichzeitig sensible Daten schützen: Ein Team des Instituts für Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist an dem neuen Digitalforschungsprojekt DECURA beteiligt, das vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) mit zwei Millionen Euro gefördert wird. Im Mittelpunkt stehen pflegebedürftige Menschen und die Personen, die sie im Alltag unterstützen – etwa Angehörige, Freundinnen und Freunde oder andere Nahestehende. DECURA will digitale Hilfe so entwickeln, dass sie im Pflegealltag mit verständlichen, individuell passenden Anleitungen, Unterstützung bei organisatorischen Aufgaben und einem besonders sorgsamen Umgang mit sensiblen Daten unterstützen kann.

Pflege zu Hause beginnt meist sehr plötzlich und bringt für die Betroffenen und ihr Umfeld nicht nur emotionale Belastungen mit sich, sondern auch viele praktische Fragen. Wie lassen sich bestimmte Pflegeschritte sicher durchführen? Wie funktioniert ein Hilfsmittel richtig? Welche Informationen werden in der jeweiligen Situation gebraucht? Und wie können Anträge bei Pflegekassen oder anderen Stellen einfacher erledigt werden, ohne dass dieselben Angaben immer wieder neu gemacht werden müssen? An dieser Stelle setzt DECURA an: Das Projekt erforscht, wie digitale Unterstützung im Pflegealltag konkret helfen kann – verständlich, alltagstauglich und auf den einzelnen Menschen zugeschnitten.

Geplant sind personalisierte digitale Hilfen, die pflegerische Abläufe oder den Umgang mit Geräten anschaulich erklären und beim Lernen unterstützen. Das kann vor allem Menschen entlasten, die plötzlich Verantwortung in der Pflege übernehmen und sich in kurzer Zeit viel neues Wissen aneignen müssen. Gleichzeitig soll eine digitale Assistenz dabei helfen, die oft mühsame Kommunikation mit Kassen und anderen Einrichtungen zu vereinfachen. Das Ziel ist es, organisatorische Hürden zu senken, Unsicherheiten zu reduzieren und mehr Raum für das zu schaffen, worauf es in der Pflege ankommt: die bestmögliche Unterstützung des pflegebedürftigen Menschen.

Ein besonderer Schwerpunkt von DECURA liegt darauf, diese Hilfe mit einem hohen Maß an Datenschutz zu verbinden – auch weil es in der Pflege um sehr persönliche Informationen geht. Anders als viele digitale Anwendungen setzt das Projekt deshalb auf dezentrale technische Ansätze. „Wir legen im Projekt großen Wert darauf, dass Daten möglichst lokal auf den Endgeräten verarbeitet werden und nicht unnötig an zentrale Stellen fließen“, erklärt Prof. Dr. Luigi Lo Iacone, JLU-Professor für IT-Sicherheit. „So können Nutzerinnen und Nutzer mehr Kontrolle über ihre Informationen behalten. Gleichzeitig untersuchen wir, wie sich solche datenschutzfreundlichen Technologien so gestalten lassen, dass sie im Alltag einfach und unkompliziert nutzbar sind.“

DECURA untersucht gemeinsam mit Fachleuten aus Pflege, Technik, Recht und Praxis, welche digitalen Lösungen Sorgegemeinschaften tatsächlich helfen, wie sie verständlich gestaltet werden müssen und unter welchen Bedingungen sie im Pflegealltag tragfähig sind. Das Projekt wird vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) in Köln geleitet. Zum Konsortium gehören neben der JLU die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Universität des Saarlandes und die VIVAI Software AG. DECURA wird vom Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt mit zwei Millionen Euro gefördert.


Kontakt

Justus-Liebig-Universität Gießen
Prof. Dr. Luigi Lo Iacono
Institut für Informatik

E-Mail: luigi.lo_iacono@uni-giessen.de