Kooperationsprojekt der THM soll ältere Menschen vor Hitze schützen

GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen fördert Zusammenarbeit zwischen THM und Gesundheitsamt Gießen mit 46.000€ über zwei Jahre.

Arbeiten im Projekt HEAT-Gi zusammen (von links): Dr. Ursula Hofmann (Beauftragte Gesundheitsstadt Gießen), Dr. Jan Labitzke (Persönlicher Referent des Oberbürgermeisters, Stadt Gießen), Anne Naumann (Seniorenbüro, Stadt Gießen), Katrin Lücker (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Willy Robert Pitzer-Institut), Prof. Dr. Susanne Hanefeld (Direktorin am Willy Robert Pitzer-Institut), Rolf Reul (Sachgebietsleitung Gesundheitsplanung, Gesundheitsamt Landkreis Gießen) und Kerstin Stingl (Leiterin Amt für Umwelt und Natur, Stadt Gießen). Bildnachweis: THM.

Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) und das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen arbeiten im Bereich Gesundheitsprävention und Gesundheitsversorgung zusammen. Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung des Willy Robert Pitzer-Instituts für Versorgungsforschung und Rehabilitation der THM fließen nun in die Gesundheitsstrategie des Landkreises ein, die unter dem Titel „Gemeinsam Gesundheit gestalten“ Akteure vernetzt, um Versorgung breit und zukunftsfähig aufzustellen.

Eines der Projekte betrifft Hitzeprävention. Denn infolge des Klimawandels treten Hitzewellen immer häufiger und intensiver auf. Insbesondere in Städten staut sich die Hitze. Gesundheitlich besonders gefährdet sind dann ältere Menschen, die empfindlich auf hohe Temperaturen reagieren. Dort setzt das Projekt „Hitzeprävention und Anpassung älterer Menschen an Temperaturbelastungen in Gießen“ (HEAT-Gi) an. Das GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen fördert das gemeinsame Projekt im Rahmen des Schwerpunkts „Klima und Gesundheit“ über zwei Jahre mit rund 46.000 Euro.

Ziel von HEAT-Gi ist die Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit älterer Menschen bei Hitze in Gießen – vor allem durch die Integration von Hitzeprävention im Alltag und den Aufbau nachhaltiger sozialer Unterstützungssysteme. So will das Team unter Leitung von Prof. Dr. Susanne Hanefeld, Direktorin des Willy Robert Pitzer-Instituts für Versorgungsforschung und Rehabilitation, die Gesundheitskompetenz von Seniorinnen und Senioren im Umgang mit sommerlicher Hitze stärken und verbessern.

Im Sinne der Chancengleichheit soll das Konzept vor allem auch alleinlebende oder sozial benachteiligte ältere Menschen unterstützen. Das Projekt setzt auf leichte Sprache und barrierefreie Angebote, denn im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren, die aktiv in die Entwicklung der Inhalte eingebunden werden.

Ein zentraler Bestandteil ist die Ausbildung ehrenamtlicher Hitze-Lotsinnen und -Lotsen. Diese geben alltagsnahe Tipps und beantworten Fragen wie: Was sollte ich bei Hitze essen und trinken? Wie schütze ich meine Wohnung vor Hitze? Oder: Welche Orte in der Stadt bieten Abkühlung? Ziel ist es, dass sie den Seniorinnen und Senioren als Ansprechpersonen zur Seite stehen – an Orten wie Cafés oder Seniorentreffs.

Darüber hinaus ist die Veranstaltungsreihe „Gesund durch den Sommer“ vorgesehen, in deren Rahmen ältere Menschen und ihre Angehörigen umfassend zu gesundheitsrelevanten Themen wie Trinkverhalten, Ernährung und Bewegung bei Hitze, Sonnenschutz sowie einem sicheren Umgang mit Medikamenten informiert werden. Die erste Reihe mit drei Veranstaltungen startet im Sommer, wird anschließend ausgewertet und weiterentwickelt.

HEAT-Gi ist von Beginn an in die kommunale Gesundheitsstrategie des Landkreises Gießen sowie Strategien der Stadt Gießen eingebunden. Die Projektbeteiligten arbeiten dabei eng mit dem Gesundheitsamt Gießen zusammen. Ein Beispiel hierfür ist der „Coole Stadtplan Gießen“, der kühle Aufenthaltsorte, Trinkwasserstellen und Schutzräume bei hohen Temperaturen im Stadtgebiet sichtbar macht. Die im Projekt gewonnen Erkenntnisse fließen wiederum als Empfehlungen an die Stadt Gießen zurück.

„Als Universitätsstadt Gießen begrüßen wir außerordentlich die Projektinhalte von HEAT-Gi. Die Ergebnisse werden bei uns Eingang finden und bereits vorhandenen Ansätze – wie den Coole Stadtplan erweitern,“ so Oberbürgermeister Becher. Er verweist darauf, dass sich die Wirtschaftsförderung im Rahmen des Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ in einem Teilprojekt den Fragen widmet, welche Möglichkeiten es gibt, künstliche Verschattung in die Innenstadt einzubringen. Mit HEAT-Gi wird es selbstverständlich eine intensive Zusammenarbeit geben. „Da liegt eine enge Zusammenarbeit mit HEAT-Gi ja unbedingt nahe“, fasst Becher zusammen.

„Das Thema ist hochaktuell“, betont auch Prof. Dr. Susanne Hanefeld: „Aus ersten Gesprächen mit dem Gesundheitsamt wurde schnell klar, dass der Bedarf groß ist und das Thema dort auf eine klare Bereitschaft zum Handeln trifft. Wir wollen mit HEAT-Gi nicht nur informieren und aufklären, sondern konkrete Unterstützung bieten – an Orten, wo Seniorinnen und Senioren ihren Alltag verbringen.“

„Wir möchten dafür den Austausch mit der THM bei unterschiedlichen Themen im Rahmen der Gesundheitsstrategie nutzen“, sagt Gesundheitsdezernent Frank Ide. „Wir haben die Möglichkeit, Forschung und Praxis zu verzahnen und wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis einfließen zu lassen. Das kommt auch den Menschen im Landkreis zugute.“ Dr. Sophie Ruhrmann, ärztliche Amtsleitung, ergänzt: „Durch das gemeinsame Projekt wird auch die Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes in der Gesundheitsforschung deutlich hervorgehoben.“

Für beide Partner bestehen weitere Synergien, wie Rolf Reul, Sachgebietsleiter Gesundheitsplanung im Gesundheitsamt, erklärt. So seien zum Beispiel gemeinsame Förderanträge denkbar. Außerdem könnten in Verbindung mit Forschungsfragen unmittelbar Einwohnerinnen und Einwohner erreicht werden. „Gerade mit Blick auf die aus gesundheitlicher Perspektive besonderen Herausforderungen wie Klimaanpassung und eine älter werdende Bevölkerung ist dies ein Mehrwert für uns.“

Das Willy Robert Pitzer-Institut der THM und das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen intensivieren damit ihre Zusammenarbeit in der Gesundheitsplanung. Eine der ersten gemeinsamen Maßnahmen ist eine Bedarfsanalyse durch die THM zu den gesundheitlichen Herausforderungen in verschiedenen Lebensphasen unter den Titeln „Gesund aufwachsen“, „Gesund bleiben“, „Gesund altern“ im Landkreis Gießen. Nach der Bedarfsanalyse werden mehrere gemeinsame Projekte umgesetzt.

Langfristiges Ziel für HEAT-Gi ist eine Verstetigung, um es auf den Landkreis auszuweiten und eine Vorbildfunktion für andere Kommunen zu schaffen.


Forschungsschwerpunkt "Agroökosysteme, mikrobielle Ressourcen und Klimaresilienz"

Im Schwerpunkt „Agroökosysteme, mikrobielle Ressourcen und Klimaresilienz“ stehen Mikroorganismen und Ökosysteme im Zentrum der Forschung zu globalen biogeochemischen Kreisläufen und deren Einfluss auf Klima, Landwirtschaft und Biodiversität. Interdisziplinäre Forschungsteams untersuchen, wie Mikroben CO₂ umwandeln, Ökosysteme resilient machen und innovative Lösungen für Klimawandel und nachhaltige Agrarsysteme liefern, um die Balance zwischen Umwelt, Produktivität und globaler Gesundheit zu fördern.


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