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DFG bewilligt Graduiertenkolleg zu Geschlecht und Völkerstrafrecht
Interdisziplinäres Programm untersucht Geschlechterdimensionen in globalen Konflikten und bildet internationale Nachwuchsforschende aus

Das Team um Prof. Dr. Stefanie Bock (Mitte) nach der Begutachtung. Bildnachweis: ICWC.
Riesiger Erfolg für die Philipps-Universität Marburg: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Graduiertenkolleg „Geschlecht und Vergeschlechtlichungen in völkerstrafrechtlichen Kontexten: Konflikte, normative Ordnungen, Transformationspraktiken“ bewilligt. Das interdisziplinäre Kolleg widmet sich den komplexen Wechselwirkungen zwischen Geschlechterkonzeptionen und dem Völkerstrafrecht – von rechtlichen Normen über institutionelle Praktiken bis hin zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. „Ziel ist es, Prozesse der Vergeschlechtlichung in internationalen Strafkontexten systematisch zu analysieren, kritisch zu reflektieren und Handlungsempfehlungen zu entwickeln“, erläutert die federführende Forscherin und Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Stefanie Bock. Beteiligt sind 12 Principal Investigators aus den Sozial- und Geisteswissenschaften der Universität Marburg. In der ersten vierjährigen Förderphase profitieren 20 Promovierende von dem strukturierten Programm, in einer möglichen zweiten Phase weitere 10. Das GRK 3159 erhält von der DFG über 5,5 Millionen Euro.
Ein einzigartiger Raum inhaltlicher und methodischer Vielfalt
Das Thema des Graduiertenkollegs ist wissenschaftlich innovativ und gesellschaftlich hochrelevant: Die Verbindung der Forschungsfelder Geschlecht und völkerstrafrechtliche Aufarbeitung kollektiver Gewalt adressiert zentrale Fragen unserer Zeit. In internationalen Konflikten, bei der Verfolgung von Kriegsverbrechen und in Prozessen der Transitional Justice spielen Geschlechterrollen, -normen und -asymmetrien eine entscheidende, oft unterschätzte Rolle. „Das besondere Innovationspotential des GRK liegt in einer seiner konsequent interdisziplinären Ausrichtung. Es vereint unter seinem Dach Rechtwissenschaften, Geschichte, Friedens- und Konfliktforschung, Soziologie, Theologie, Literatur- und Wirtschaftswissenschaft und eröffnet so einen einzigartigen Raum inhaltlicher und methodischer Vielfalt“, erläutert Bock. Die Verschränkung verschiedener Disziplinen und Forschungsansätze ermöglicht es, Gewalt, Recht und Geschlecht nicht nur in ihren jeweiligen Dimensionen, sondern in ihrer wechselseitigen Bedingtheit zu erfassen. Mit seinem multiperspektivischen Forschungsansatz trägt das GRK dazu bei, ein differenziertes Verständnis von Geschlechtergerechtigkeit in globalen Rechts- und Konfliktkontexten zu entwickeln.
Drei Aushängeschilder der Uni fördern gemeinsam Forschungstalente
„Für die Philipps-Universität Marburg bedeutet die Förderung eine nachhaltige Stärkung ihrer interdisziplinären Spitzenforschung und der strukturierten Nachwuchsförderung“, kommentiert Forschungsvizepräsident Prof. Dr. Gert Bange.
Das Kolleg bündelt die Expertise des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse (ICWC), des Zentrums für Konfliktforschung (ZfK) und des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung – die drei Zentren sind bereits Aushängeschilder der Uni Marburg. Darüber hinaus leistet es einen wichtigen Beitrag für Gesellschaft und Politik: Die gewonnenen Erkenntnisse können Impulse für die Weiterentwicklung völkerstrafrechtlicher Normen und Praktiken geben und so langfristig zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in internationalen Rechtsprozessen beitragen.
Kontakt
Philipps-Universität Marburg
Prof. Dr. Stefanie Bock
Fachbereich Rechtswissenschaften
Professur für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung
E-Mail: stefanie.bock@jura.uni-marburg.de