JLU koordiniert Forschung zur agrarökologischen Transformation

Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte und von der Europäischen Union im Rahmen der Agroecology Partnership kofinanzierte Projekt MultiCAS entwickelt unter Gießener Leitung ein Bewertungsinstrument, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Leistungen der Landwirtschaft praxisnah erfasst.

Exkursion des MultiCAS-Teams zur Solidarischen Landwirtschaft „Stolze Gärtner“ im Taunus im Rahmen des Kick-off-Treffens im Juli. Bildnachweis: Irina Soloviev.

Industrielle Landwirtschaftsbetriebe mit Monokulturen prägen die europäischen Agrarlandschaften – mit Folgen wie dem Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltbelastungen. Kleinbäuerliche, lokal vernetzte Betriebe können diesem Trend entgegenwirken und die Agrobiodiversität stärken. Ihr Beitrag zur agrarökologischen Transformation ist jedoch bislang nur unzureichend erforscht. Im Projekt MultiCAS („Multi-dimensional performance assessment of complex agroecological systems“) entwickeln Forschende unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ein multidimensionales Instrument zur Bewertung der agrarökologischen Leistungsfähigkeit. Sie berücksichtigen dabei lokale ökologische, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen und werden auch Maßnahmen zur Förderung der agrarökologischen Transformation identifizieren. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das im Juni gestartete Projekt für drei Jahre mit rund 330.000 Euro, kofinanziert wird es durch die Europäische Union (EU) im Rahmen der Agroecology Partnership.

Der Fokus bei MultiCAS liegt auf kleinbäuerlichen Betrieben, die in kurze Lebensmittelversorgungsketten mit engen Beziehungen zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern eingebunden sind. Das von der Welternährungsorganisation FAO entwickelte Bewertungstool TAPE (Tool for Agroecological Performance Evaluation) wird dabei praxisnah weiterentwickelt, um die Landwirtschaft besser an regionale Bedingungen anpassen zu können. In einem gemeinschaftlichen Prozess mit Landwirtschaft, Politik sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern entstehen in Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien und der Türkei sogenannte Living Labs als Testfelder für die Praxis. Das deutsche Living Lab wird von Forschenden der JLU in Hessen eingerichtet und mehrere Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft umfassen.

Die JLU ist im Projekt MultiCAS durch Dr. Wiebke Niether, Jocelyn Parot und Anna Schmidt (alle von der Professur für Ökologischen Landbau) vertreten, unterstützt vom Zentrum für nachhaltige Ernährungssysteme (ZNE) und dessen Koordinatorin Dr. Irina Solovieva. An der JLU ist das Arbeitspaket angesiedelt, das Indikatoren für agrarökologische Leistungsfähigkeit entwickelt. Dafür nutzen die Forschenden neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch das Feedback von Partnerinnen und Partnern aus der Praxis.

An MultiCAS beteiligt sind neben der federführenden JLU die Universität Bologna (Italien), der Universität Côte d’Azur (Frankreich), das International Network for Community Supported Agriculture URGENCI (Frankreich), die Universität von Ljubljana (Slowenien), die Cankaya Universität sowie die Four Seasons Ecological Living Association (beide Türkei).


Forschungsschwerpunkt "Agroökosysteme, mikrobielle Ressourcen und Klimaresilienz"

Im Schwerpunkt „Agroökosysteme, mikrobielle Ressourcen und Klimaresilienz“ stehen Mikroorganismen und Ökosysteme im Zentrum der Forschung zu globalen biogeochemischen Kreisläufen und deren Einfluss auf Klima, Landwirtschaft und Biodiversität. Interdisziplinäre Forschungsteams untersuchen, wie Mikroben CO₂ umwandeln, Ökosysteme resilient machen und innovative Lösungen für Klimawandel und nachhaltige Agrarsysteme liefern, um die Balance zwischen Umwelt, Produktivität und globaler Gesundheit zu fördern.


Kontakt

Justus-Liebig-Universität Gießen
Jocelyn Parot
Professur für Ökologischen Landbau

E-Mail: jocelyn.parot@agrar.uni-giessen.de