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Fafnir Rocketry: THM-Ausgründung entwickelt Rakete als Testplattform
Die geplante Ausgründung entwickelt eine Rakete die künftig als Testplattform dienen und Unternehmen ermöglichen soll, Komponenten unter realen Flugbedingungen zu testen.

Markus Keller (v. l. n. r.), der das Team von Fafnir Rocketry beim Startup Weekend Mittelhessen unterstützte, freut sich gemeinsam mit Julia Eff, Henrik Röder und Samuel de Brito über den ersten Platz in der „Seed-Kategorie“. Zur Veranschaulichung ihrer Geschäftsidee hat das Team ein nicht flugfähiges Raketenmodell gebaut. Bildnachweis: Henrik Röder.
Bevor ein Bauteil in einem Satelliten oder einer Rakete mehrere hundert Kilometer ins Weltall fliegt, muss es zahlreiche Tests bestehen. Beschleunigungskräfte, abrupte Temperaturveränderungen oder Vibrationen sind nur einige Belastungen, denen Raumfahrttechnik standhalten muss. Vier junge Menschen wollen diesen Prozess künftig vereinfachen und günstiger machen: Mit ihrer geplanten Ausgründung Fafnir Rocketry arbeiten sie an einer Rakete, die als Testplattform für Raumfahrtkomponenten dienen soll. Julia Eff und Samuel De Brito von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) berichten von ihrer Idee.
Ihre Vision: Eine selbst entwickelte Rakete soll künftig als Testplattform dienen und Unternehmen ermöglichen, Komponenten unter realen Flugbedingungen zu testen. „Wir wollen, dass Kunden ihr Bauteil mitfliegen lassen können und nach der Landung wieder zurückbekommen, um die gewonnen Daten und das Bauteil selbst analysieren zu können“, berichtet Samuel de Brito, der Elektro- und Informationstechnik an der THM studiert.
Die Raumfahrtbranche wächst stark, angetrieben durch den „NewSpace“-Trend sind günstigere Starts für Kleinsatelliten unabdingbar, wie de Brito erklärt. Fafnir Rocketry entsteht damit in einer Zeit, in der sich auch Europas Raumfahrtindustrie verändert und Europa daran arbeitet, seinen eigenständigen und unabhängigen Zugang zum Weltraum zu sichern.
„Die Komponenten sollen unter realen Flugbedingungen getestet werden. Das spart Zeit, Kosten und ermöglicht es, früh Fehler zu erkennen“ - vor allem wenn ein Bauteil später in einem komplexen und teuren Raumfahrtsystem verbaut wird, ergänzt Julia Eff, die als MINT-Coach an der THM arbeitet. „Viele Probleme können bereits in einer frühen Entwicklungsphase gelöst werden.“
Zu ihrem Team gehören auch Lennart Barge und Henrik Röder, die beide „Physik und Technologie für Raumfahrtanwendungen“ studieren, ein Kombinationsstudiengang von THM und Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU).
Die Geschäftsidee für Fafnir Rocketry ist eng verbunden mit ihrer jahrelangen praktischen Arbeit im studentischen Verein „Spaceflight Rocketry Gießen“ und der studentischen Raketenbauwerkstatt am Fachbereich Elektro- und Informationstechnik. Studierende entwickeln, bauen und testen selbst Raketen und sammeln dabei praktische Erfahrungen. Zwei Highlights, die auch Julia Eff und Samuel de Brito auf ihrem Weg geprägt haben: Bei Starts mit selbstgebauten Raketen in der Nähe von Darmstadt – dem erstmaligen Raketenlaunch auf hessischem Boden – und in Bremen erreichten die beiden Prototypen Flughöhen von 358 und 880 Metern.
„Raumfahrttechnik ist für mich eine Art höchste Klasse der Ingenieurwissenschaften, weil dort so viele Dinge zusammenkommen“, sagt de Brito über seine Begeisterung. Es gehe darum, Technik immer weiterzuentwickeln: „Immer höher, weiter, aber vor allem auch immer sicherer.“
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihren eigenen Unternehmen war die Teilnahme am Startup Weekend Mittelhessen. Bei der dreitägigen Veranstaltung entwickeln die Teilnehmenden aus einer Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell und präsentieren sie anschließend einer Jury. Fafnir Rocketry überzeugte in der „Seed Kategorie“, der Wettbewerbsklasse für fortgeschrittene Teams, und belegte den ersten Platz.
Als erstes Produkt ist eine rund 3,60 Meter große Rakete geplant, die Ende nächsten Jahres zwischen 2600 und 3000 Meter hoch fliegen soll. Schon in der ersten Rakete sei geplant, erste Nutzlasten mit an Board zu nehmen, um erste Kundensysteme zu testen.
Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt für das Team eine wichtige Rolle. Statt Testkomponenten nach einem Flug zu verlieren, sollen sie mit Hilfe eines Fallschirms wieder landen. „Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Raumfahrt derzeit noch etwas vernachlässigt“, sagt Eff. Mit der Rückgewinnung der Bauteile könne nicht nur Material gespart werden, die Entwicklung werde auch günstiger.
Noch in diesem Jahr möchte das Team gründen und anschließend den ersten Prototypen entwickeln. Darüber hinaus wollen sie ihre Begeisterung für Raumfahrt und Technik weitergeben: „Uns treibt an, junge Menschen für Technik und Raumfahrt zu begeistern und unser Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.“
Forschungsschwerpunkt "Materialien für nachhaltige Energie, Quanten- und Weltraumtechnologien"
Im Schwerpunkt „Materialien für nachhaltige Energie, Quanten- und Weltraumtechnologien“ entwickeln Forschende Grundlagen für Energie-, Informations- und Weltraumtechnologien und erforschen neue Materialien und Prozesse. Dazu gehören nachhaltige Energiematerialien, elektrochemische Speichertechnologien und Quantenmaterialien für Photonik und Optoelektronik. Interdisziplinäre Methoden ermöglichen ein tiefgehendes Verständnis und fördern Innovation, Wissenstransfer und internationale Zusammenarbeit.
Kontakt
Technische Hochschule Mittelhessen - University of Applied Sciences
Pressestelle & Hochschulkommunikation
E-Mail: pressestelle@thm.de