Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk (UMR) erhält IHK-Wissenschaftspreis

IHK und Philipps-Universität Marburg zeichnen Nachwuchswissenschaftler aus

Ehrung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Alten Aula: (von links) Prof. Dr. Thomas Nauss (Präsident der Philipps-Universität Marburg), Thomas Winzer (stellvertretender Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg und Vorstandsmitglied INOSOFT AG Marburg), M.Sc. Simon Paul Wilhelm Klute (Preisträger IHK-Förderpreis), Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk (Preisträgerin IHK-Wissenschaftspreis), Prof. Dr. Daniel Braun (Festredner) und Oskar Edelmann (stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer). Bildnachweis: Melanie Weiershäuser.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg und die Philipps-Universität Mar-burg haben gestern Abend (Donnerstag, 1. Oktober) herausragende wissenschaftliche Ar-beiten mit dem IHK-Wissenschafts- und dem Förderpreis 2026 gewürdigt. Bei einer feierli-chen Preisverleihung in der Alten Aula der Philipps-Universität Marburg erhielten Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk und M.Sc. Simon Paul Wilhelm Klute die Auszeichnungen für ihre exzellenten und wirtschaftlich relevanten Forschungsleistungen. Die Preise würdigen seit 1984 Dissertationen, Habilitationen, Masterarbeiten und andere Forschungsarbeiten mit besonderer Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Vergeben werden sie jährlich im Wechsel zwischen Kassel und Marburg.


Forschung mit Wirkung: Preisträger 2026

Den mit 5.200 Euro dotierten IHK-Wissenschaftspreis erhielt Dr. rer. nat. Julianne Susanne Funk aus dem Fachbereich Medizin für ihre Dissertation „Decoding the TP53 mutome: CRISPR perspectives on functional diversity and therapeutic interventions“. Ihre Arbeit lie-fert wichtige Grundlagen für eine personalisierte Krebsmedizin, bei der die Behandlung ge-zielter auf die genetischen Besonderheiten des Tumors abgestimmt werden kann. Zur Er-klärung: Das Gen TP53 gilt als eine Art „Wächter“. Es erkennt Schäden im Erbgut und kann verhindern, dass sich geschädigte Zellen unkontrolliert vermehren und zu Krebs entwickeln. In vielen Tumoren ist dieser Schutzmechanismus durch Veränderungen im TP53-Gen ge-stört. Dr. Julianne Funk hat mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 mehr als 9.000 solcher Veränderungen systematisch untersucht.

Den Förderpreis in Höhe von 1.600 Euro nahm M.Sc. Simon Paul Wilhelm Klute aus dem Fachbereich Biologie entgegen. Mit seiner Masterarbeit „Utilizing NRPS Engineering to En-hance C-Terminal Peptide Diversity and Develop PROTACs for Undruggable Targets“ etab-liert der Preisträger ein Konzept, mit dem die Entwicklung neuer PROTAC-Moleküle verein-facht und deutlich beschleunigt werden kann. Zur Erklärung: Moderne Medikamente wirken häufig, indem sie an krankheitsrelevante Proteine binden und sie blockieren. Viele Proteine gelten bisher als schwer oder gar nicht mit klassischen Wirkstoffen behandelbar. Einen al-ternativen Ansatz bieten PROTAC-Moleküle, um krankheitsrelevante Proteine abzubauen. Bis heute gibt es allerdings aufgrund der hohen Komplexität der Entwicklung kein zugelas-senes PROTAC-Medikament.


Innovationskraft durch Wissenstransfer

„Der Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft kommt der Innovationskraft von Un-ternehmen sowie der gesamten Region zugute und ist ein Schlüssel für Wettbewerbsfähig-keit und Wachstum“, hob der stellvertretende Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung und Vorstandsvorsitzender der INOSOFT AG Thomas Winzer in seiner Begrüßung hervor. „Aus diesem Grund würdigen wir jedes Jahr Menschen, die diesen Transfer durch exzellen-te Forschungsarbeiten mit starkem Praxisbezug vorantreiben“, so Winzer. „Die dynamische Entwicklung unserer Region ist auch ein Verdienst der Universität Marburg und ihrer For-schung.“

Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg, sieht in exzellenter Wissenschaft den Boden, auf dem Innovationen gedeihen. „Die IHK-Preise sind seit mehr als 40 Jahren ein Symbol für die gute Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in unserer Region. Mein Dank gilt der IHK dafür, dass sie diese Preise seit dieser langen Zeit gemeinsam mit uns verleiht. Sie verkörpern auch die Erwartung, dass Erkenntnisse der Wissenschaft wirtschaftlich anwendbar oder verwertbar sind und daher zur Entwicklung unserer Region beitragen“, so Nauss. Dafür gebe es viele positive Beispiele, sowohl Start-ups als auch erfolgreiche Unternehmenskooperationen. „Daher bauen wir viele Brücken zwischen wissenschaftlicher Neugier und wirtschaftlicher Umsetzung.“

Zum Auftakt der Veranstaltung gab Prof. Dr. Daniel Braun, Professor für Informatik an der Philipps-Universität Marburg, einen Impuls zum Thema „Wer kontrolliert Künstliche Intelli-genz? Wie Mensch und Maschine gemeinsam gute Arbeit gestalten“.


Jury und Tradition

Die Jury setzt sich aus Hochschullehrenden, Unternehmern und IHK-Vertretern zusammen. In diesem Jahr wirkten mit:

  • Christof Bonn, NOLTA GmbH, Cölbe
  • Jörg Diehl, SW-MOTECH GmbH & Co. KG, Rauschenberg
  • Gunter Schneider, Schneider GmbH & Co. KG, Fronhausen
  • Prof. Dr. Peter Lenz, Philipps-Universität Marburg, FB 13: Physik
  • Prof. Dr. Bernhard Seeger, Philipps-Universität Marburg, FB 12: Mathematik und Informatik
  • Prof. Dr. Michael Stephan, Philipps-Universität Marburg, FB 02: Wirtschaftswissenschaften
  • Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg

Seit über 40 Jahren sind die Wissenschafts- und Förderpreise Ausdruck einer engen Part-nerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Nordhessen und der Region Marburg – und ein starkes Signal für die Innovationskraft der Region.


Kontakt

IHK Kassel-Marburg
Tanja Kuhl
Geschäftsstelle Marburg

E-Mail: kuhl@kassel.ihk.de